Iraqi-German Expert Forum On Cultural Heritage

Iraqi-German Expert Forum On Cultural Heritage

Iraqi-German Expert Forum On Cultural Heritage

02/07/2018

Der Irak hat ein sehr reiches archäologisches und architektonisches Kulturerbe, dessen Erhalt im Fokus des Iraqi-German Expert Forum on Cultural Heritage steht. Ziel dieses Dialogforums ist es, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der irakischen Antikenverwaltung im Umgang mit modernen archäologischen Methoden der Baudokumentation und des Bauwerkserhalts vertraut zu machen und bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Gleichzeitig dient das Vorhaben als Plattform für wissenschaftlichen Austausch zu unterschiedlichen Konzepten des Kulturerhalts.

von Dr. Dr. Margarete van Ess und Dr. Ulrike Siegel


Der Irak verfügt über ein viele Jahrtausende zurückreichendes Kultur erbe. Dieses Erbe muss ständig gepflegt, beschädigte Baudenkmäler müssen restauriert und zerstörte wiederhergestellt werden. Angesichts der weitreichenden Schäden ist dies nur mit moderner Technik und methodisch angemessenen Konzepten möglich. Ziel des Iraqi-German Expert Forum on CulturalHeritage (IGEF-CH) ist es, irakischen Wissenschaftlern und Kulturerhalt-Experten neueste Restaurierungsmethoden zu vermitteln, um eigenständig, schnell und kompetent im Fall von Denkmalverlust handeln zu können. Die Grundlage des Aufbaus nachhaltiger Expertise in Fragen des Umgangs mit Kulturerbe und dessen Zerstörung ist dabei eine zielorientierte Ausbildung.

Im Mittelpunkt des Iraqi-German Expert Forum on Cultural Heritage steht die Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der irakischen Antikenbehörde. Als zentrale Orte für die Arbeit im Land dienen dabei die Außenstelle des Deutschen Archäologischen Instituts in Bagdad und das im Rahmen des Programms gegründete Deutsch-Irakische Zentrum (DIZ). Der Schwerpunkt dieses Programms liegt auf der Vermittlung von Methoden, Techniken und Standards, die für die Erforschung und Bewertung sowie den Schutz von Kulturdenkmälern nötig sind. Der Großteil der Kurse wird in arabischer Sprache durchgeführt, um die eigene Fachsprache als Arbeitsinstrument zu fördern.

The Khan al-Nus between Najaf and Kerbela was recently restored. A study on the appropriate use of this ancient monument was carried out as part of the IGEF programme | © DAI, Ulrike Siegel.

Das Programm beinhaltet eine einjährige Fortbildung und besteht aus verschiedenen Ausbildungsmodulen in Berlin und im Irak, die es den Teilnehmern ermöglichen, sich in Theorie und Praxis anhand von Fallbeispielen und Übungen mit dem breiten Tätigkeitsfeld des Kulturerhalts intensiv auseinanderzusetzen. Alle Teilnehmer erhalten zudem die Aufgabe, im Laufe der einjährigen Ausbildung ein selbst ausgewähltes Projekt zu einer archäologischen Stätte oder einem historischen Bauwerk im Irak durchzuführen, um die Themenschwerpunkte Baudokumentation, Bauforschung, Schadenskartierung/Schadensbewertung und Konservierungsplanung selbstständig umzusetzen. Die Schwerpunkte verdeutlichen den Leitgedanken: Man kann nur das schützen, was man bereits kennt. Erst die präzise Erforschung eines Bauwerks erlaubt es, geeignete Maßnahmen für dessen Erhalt zu entwickeln. Die Auseinandersetzung mit Strategien und Arbeitsansätzen in der Denkmalpflege (z. B. internationale Denkmalpflege oder denkmalpflegerischer Bindungsplan) bildet einen weiteren Aspekt des Programms.

Mit professionellen Filmkameras werden wesentliche Techniken des Dokumentarfilmens
erprobt, die auch bei Einsatz einfacher Kameras wichtig sind | © DAI, Julia Nador.

Das 2016 gegründete Iraqi-German Expert Forum on Cultural Heritage schafft eine deutsch-irakische Plattform gemeinsamen Lernens und Handelns. Zwischen den Teilnehmern und Teilnehmerinnen des ersten (2016–2017) und des zweiten bis dritten Jahrgangs (2017–2018 und 2018-2019) sowie den deutschen, syrischen und irakischen Expertinnen und Experten fanden ein lebhafter fachlicher Austausch und eine Vernetzung über die Provinzgrenzen hinaus in den internationalen Bereich hinein statt.

Das Iraqi-German Expert Forum on Cultural Heritage ist Teil des am Deutschen Archäologischen Institut angesiedelten Projekts „Stunde Null: Eine Zukunft für die Zeit nach der Krise“, das vom Auswärtigen Amt gefördert wird. Das Fortbildungsprogramm wird von der Außenstelle Bagdad des Deutschen Archäologischen Instituts in Kooperation mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin – Studiengang Konservierung und Restaurierung/ Grabungstechnik –, der Technischen Universität Berlin – Fachgebiet Historische Bauforschung und Baudenkmalpflege –, dem Landesdenkmalamt Berlin, dem Museum für Islamische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin, der Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, dem Deutschen Nationalkomitee von ICOMOS (International Council on Monuments and Sites) und der irakischen Antikenbehörde (State Board of Antiquities and Heritage) durchgeführt.


Titelbild: Praktische Erfahrungen können während laufender Feldarbeiten im Irak gesammelt werden, hier bei Notkonservierungen am Gareus-Tempel in Uruk | © Andreas Hoffschildt.

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