Kulturerhalt in Not- und Katastrophenfällen in Deutschland und der Welt

Kulturerhalt in Not- und Katastrophenfällen in Deutschland und der Welt

Kulturerhalt in Not- und Katastrophenfällen in Deutschland und der Welt

Erstes Sondierungsgespräch – Kulturerhalt in Not- und Katastrophenfällen in Deutschland und der Welt.

Die Katastrophen der Hochwasser (z. B. Dresden, Halle 2002) und der Brand der Anna Amalia Bibliothek (2004) sowie des Einsturzes des Kölner Stadtarchivs (2009) haben in Deutschland ein grundsätzliches Nachdenken im Bereich der Prävention und auch des Handelns in Katastrophensituationen hervorgerufen. Nach Katastrophen im Ausland wie den Bränden im Nationalmuseum in Rio oder Notre Dame in Paris, bietet Deutschland international Hilfe für die Bewältigung der Folgen an, greift dabei aber nicht auf bestehende Mechanismen oder Strukturen zurück.

Das Problem ist oftmals die konkrete Umsetzung: Wie kann man in der Krisensituation handlungsfähig sein oder nach der Katastrophe schnell und koordiniert helfen? In Deutschland ist man an vielen Orten auf dem Weg, sich über Notfallverbünde besser aufzustellen.

Aufgrund der Unersetzbarkeit der Kulturgüter ist im Not- und Katastrophenfall stets ein gut vorbereitetes, koordiniertes Vorgehen von Kultureinrichtungen, Behörden, und Hilfs-nund Rettungsorganisationen notwendig, um die sachgemäße Bergung des betroffenen Kulturguts zu gewährleisten und weitere Schäden (insb. an Gebäuden und Strukturen von denkmalerischem Wert sowie archäologischen Stätten) zu verhindern. Um dies zu erreichen, soll auch in Deutschland die Zusammenarbeit für den Kulturerhalt in Notfall- und Katastrophenszenarien jetzt maßgeblich verstärkt und besser organisiert werden.

Sondierungsgespräch in Bonn

Im Rahmen eines ersten Sondierungsgesprächs am 29. Mai 2019, initiiert von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und dem Deutschen Archäologischen Institut (DAI), wurden mit dem Netzwerk von Partnerorganisationen des Archaeological Heritage Network (ArcHerNet), weiteren wichtigen Akteuren aus dem Kulturerbebereich und dem Technischen Hilfswerk (THW), die Perspektiven und Möglichkeiten einer solchen Zusammenarbeit sondiert.

Das THW und die vertretenen Kultureinrichtungen / Organisationen erhielten zunächst einen Einblick in die Organisations- und Arbeitsstrukturen der unterschiedlichen Akteure. Für das THW berichteten die Abteilungen Inlandseinsätze, Auslandseinsätze und Ausbildung. Seitens des Archaeological Heritage Network berichteten die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW), das Römisch Germanische Zentralmuseum Mainz, die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger und die Deutsche UNESCO-Kommission. Weitere Beiträge lieferten die Firma Kurecon, der Verband der Restauratoren und Prof. Dr. Jürgen Kunow, der als ehemaliger Vorsitzender des Verbandes der Landesarchäologen über den Schutz von archäologischem Kulturerbe in Katastrophenfällen berichtete.

Besonders beleuchtet wurde die Frage, wie das THW helfen kann, wenn Kulturerbe im In- und Ausland bedroht ist. Wie können in diesem Zusammenhang die Kultureinrichtungen helfen, wenn das THW Expertise, Ausbildung und Schulung im Bereich Kulturerbe/Kulturgut benötigt? Wie könnten alle Akteure gemeinsam funktionierende Strukturen und Mechanismen aufbauen, der in Katastrophenszenarien im In- und Ausland schnelle und effektive Handlungsmöglichkeiten bietet? Es gilt, das gesamte Spektrum der Kooperationsmöglichkeiten zu erfassen und ggf. frühzeitig länderübergreifende Handlungsoptionen zu erkennen. Dazu wäre ein handlungssicheres Expertennetzwerk in Deutschland und ein entsprechender Arbeitsstab hilfreich, um überhaupt schnelle Hilfe im Ausland leisten zu können und nach Deutschland positiv zurückzuwirken.

Die Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), Friederike Fless, wies darauf hin, dass mit dem Archaeological Heritage Network bereits ein Netzwerk besteht, das im Bereich Kulturerhalt Inland und Ausland zusammendenkt. Das THW wäre ein idealer Partner, der die Bereiche Lagerung von Ausrüstung, Logistik und Ausbildung abdecken könne. Vertreterinnen des Auswärtigen Amtes (AA) sowie der Deutschen UNESCO-Kommission berichteten unter anderem von aktuellen Bestrebungen der EU zum Kulturerhalt in Not-und Katastrophenfällen.

Es ist der ausgesprochene Wunsch der bei dem Gespräch vertretenen Akteure aus dem nationalen Kulturerbebereich, sich an diesen EU-Aktivitäten aktiv zu beteiligen und Mechanismen für das schnelle Eingreifen bei Katastrophen, bei denen Kulturgut betroffen ist, zu entwickeln.

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