Konservierung eines Mittelalterlichen Stadtviertels in Baalbek

Konservierung eines Mittelalterlichen Stadtviertels in Baalbek

Konservierung eines Mittelalterlichen Stadtviertels in Baalbek


Baalbek ist für seine römischen Tempel weltbekannt und UNESCO-Weltkulturerbe. Im Mittelalter spielte Baalbek in den Territorialkämpfen zwischen Kreuzfahrern und arabischen Herrschern eine große Rolle und entwickelte sich zu einer reichen Siedlung nahe einer Burg. In dieser Zeit entstand auch ein Stadtviertel, das in den 1970er-Jahren ausgegraben wurde. In einem Fortbildungsprojekt wurde es nun konserviert und für Besucherinnen und Besucher erschlossen.

von Dr. Dr. h.c. Margarete van Ess


Der Ort Baalbek im Libanon gehört zu den beeindruckendsten antiken Ruinenstätten der Welt. Neben den bekannten römischen Tempeln sind archäologische Reste seit dem 8. Jahrtausend v. Chr. erhalten. Baalbek hat also eine inzwischen fast 10.000-jährige Geschichte, die für Besucherinnen und Besucher noch immer erfahrbar ist.
Diese Vielfalt zu erhalten und zu präsentieren ist Anliegen des Fortbildungsprojekts, das am Beispiel eines ausgegrabenen Stadtviertels aus dem 12. bis 16. Jahrhundert durchgeführt wurde. Direkt am zukünftig neu gestalteten Eingang zum Ruinengelände gelegen, sind hier zwei kleine Moscheen, eine Karawanserei, ein öffentliches Bad, die Stadtmauer und mehrere Privathäuser erhalten. Sie erzählen von der bewegten Geschichte in der Zeit der Auseinandersetzungen zwischen Kreuzfahrern und Ayyubiden sowie der Zerstörung durch die Mongolen und vom Wiederaufbau unter den mamlukischen Herrschern.

Ein traditionelles Haus am Rand des mittelalterlichen Stadtviertels (links im Bild) wird als neuer Eingang zum Ruinengelände dienen|© Klaus Rheidt.

Antike und historische Kulturstätten gehören zu den Schätzen des Libanon. Sie sind Ziele von Touristen aus aller Welt und gleichzeitig Identifikationspunkte und ökonomische Ressourcen für die lokale Bevölkerung. Der Erhalt dieser Kulturstätten erfordert stetige Pflege durch erfahrene Handwerker sowie spezialisierte Archäologen und Architekten, die nicht nur in Baalbek, sondern im ganzen Land einsetzbar sind. Das inzwischen abgeschlossene Fortbildungsprogramm bot daher qualifizierte Ausbildung in den Themenfeldern Bestandssicherung durch konstante Pflegemaßnahmen, Konservierung erosionsgefährdeter Bausubstanz, Restaurierung und statische Sicherung von archäologischen Baustrukturen sowie die attraktive Präsentation für Besucherinnen und Besucher. Es wendete sich sowohl an libanesische Handwerker und Studierende als auch an in den Libanon geflüchtete Syrer.

Die Fugen und Oberkanten der Gebäudemauern werden zum Schutz vor eindringender Feuchtigkeit mit traditionellen Mörteln verschlossen | © DAI, Julia Nádor.

Ziel des Programms war es, traditionelle und moderne Techniken des Bauerhalts archäologischer Steinarchitektur, wie sie für die gesamte Region Vorderasiens typisch ist, auch über die Staatsgrenzen des Libanon hinaus zu erhalten und weiterzuvermitteln. Das Programm war daher Teil des am Deutschen Archäologischen Institut angesiedelten Projekts „Stunde Null: Eine Zukunft für die Zeit nach der Krise“, das vom Auswärtigen Amt gefördert wird.

Im Verlauf von drei Jahren nahmen über 70 Personen an dem Projekt teil. Hierdurch ergaben sich neben der Ausbildung junger Nachwuchskräfte insbesondere Beschäftigungsmöglichkeiten für erfahrene ältere Handwerker, die in Baalbek seit Jahrzehnten für den Erhalt der Ruine sorgen und nun ihr Wissen zu traditionellen Techniken und lokal gut umsetzbaren Maßnahmen weitergeben konnten. Das Projekt war in die praktischen Ausbildungsabschnitte von Archäologen der Lebanese University eingebunden, die mit vielen Zweiginstitutionen im Land die Ausbildung vor allem der lokalen Studierenden übernimmt. Es profitierte zudem von der Kooperation mit der Tripoli School of Architecture, die Aufbaustudiengänge zum Erhalt des libanesischen Architekturerbes organisiert und junge Architekten und Architektinnen in die Praxismodule dieses Fortbildungsprogramms in Baalbek entsendete. Das Programm war damit eng mit libanesischen Angeboten vernetzt, die sich sowohl an den libanesischen als auch an den im Land aufgenommenen syrischen Nachwuchs wendeten.

Die wissenschaftliche Expertise zu den archäologischen und historischen Daten und zu Teilaspekten der Ausbildungsinhalte übernahm die Orientabteilung des Deutschen Archäologischen Instituts, die seit mehr als 20 Jahren die wissenschaftliche Dokumentation und Analyse der vielfältigen archäologischen Reste in Baalbek durchführt und publiziert. Mit dem Fortbildungsprojekt wurden so auch neue Wege der Vermittlung der wissenschaftlichen Ergebnisse an die lokale Bevölkerung und in die libanesische Tourismusbranche hinein erschlossen.


Titelbild: Vor der Konservierung der Bauten müssen Fehlstellen im Detail überprüft und die ursprünglich genutzten Fugenmaterialien bestimmt werden|© DAI, Julia Nádor.

Quelle: Worlds of Culture – Foreign Policy for Cultural Heritage

Worlds of Culture. Foreign Policy for Cultural Heritage. 2018
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