Sudanesisch-deutscher Restaurierungslehrgang an den Pyramiden von Meroe

Sudanesisch-deutscher Restaurierungslehrgang an den Pyramiden von Meroe

Sudanesisch-deutscher Restaurierungslehrgang an den Pyramiden von Meroe

Ein Restaurierungslehrgang an den königlichen Pyramidenfriedhöfen von Meroe im Nordsudan wurde durch das Deutsche Archäologische Institut erfolgreich abgeschlossen.

Der Erhalt und die Restaurierung der königlichen Pyramidenfriedhöfe von Meroe im Nordsudan ist eine Mammutaufgabe, an der sich das Deutsche Archäologische Institut (DAI) in enger Zusammenarbeit mit der sudanesischen Denkmalbehörde, der National Corporation for Antiquities and Museums, und der Qatari Mission for the Pyramids of Sudan beteiligt.

Ein wichtiger Baustein für die Entwicklung eines nachhaltigen Site Managements für diese antike Stätte war ein Restaurierungslehrgang an den Pyramiden, den das DAI im März 2020 organisierte. Ziel dieser vom Auswärtigen Amt finanzierten Qualifizierungsmaßnahme war die fachliche Weiterbildung von 14 sudanesischen Teilnehmern aus unterschiedlichen Berufsgruppen (Restauratoren, Archäologen, Künstler, Handwerker und lokale Arbeitskräfte) in Konservierung und Denkmalpflege der Pyramiden und ihrer Opferkapellenreliefs.

Restaurierungslehrgang an den Pyramiden von Meroe | Foto: U. Berghoff-Ising.

Der Lehrgang umfasste die Konservierung spezifischer Pyramidenteile „von der Schadensanalyse bis zur Maßnahmenumsetzung“, die Dokumentation vor, während und nach den Konservierungsmaßnahmen, sowie die praktische Handhabung von Materialien und Werkzeugen. Die theoretische Grundlage des Kurses bildeten Erläuterungen zu den Schadensphänomenen an dem fragilen Sandsteinmaterial und an den Putzen der Pyramiden und Reliefs, zu allgemeinen Richtlinien ihrer Konservierung und zur Planung von Konservierungsmaßnahmen. Sie wurden durch Vorträge zur Geschichte der archäologischen Stätte und zu bisherigen Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen ergänzt. Zu den praktischen Übungen gehörten die Schadenskartierung, die Reinigung von Steinoberflächen, die Festigung und Klebung gebrochener Steine, die Ergänzung fehlender Bereiche mit Steinergänzungsmassen sowie das Auftragen von farbigen Retuschen.

Praktische Übungen zur Restaurierung von Sandstein | Foto: U. Berghoff-Ising.

Geleitet wurde der Lehrgang von Omima Hasbelrsoul und Mustafa Elsharif, Konservatoren der sudanesischen Denkmalbehörde, und den Restauratorinnen Anette Schulz und Ulrike Berghoff-Ising der Berliner Firma Schulz-Restaurierung, die seit mehreren Jahren gemeinsam an der Restaurierung der Pyramiden beteiligt sind. So konnte der Lehrgang auch trotz der durch die Corona-Epidemie bedingten vorzeitigen Abreise des deutschen Teams erfolgreich abgeschlossen werden: Den praktischen Teil der Übungen, die Restaurierung der Außenwände der Pyramidenkapelle Beg. N. 22, leitete die sudanesische Konservatorin Omima Hasbelrsoul.

Die Restauratorin Omima Hasbelrsoul und ein Teilnehmer packen die Werkzeugkoffer | Foto: U. Berghoff-Ising.

Die Aus- und Weiterbildung sudanesischer Spezialisten ermöglicht nicht nur den langfristigen Aufbau einer „Bauhütte“ vor Ort. Sie schafft auch berufliche Perspektiven in der von hoher Arbeitslosigkeit geprägten Region. Die gemeinsame Schulung generiert darüber hinaus Netzwerke und stärkt die Kommunikation und das Verständnis zwischen Denkmalbehörde, DAI und den lokalen Gemeinden.

Die Pyramiden von Meroe

Mehr als 100 der ehemals bis zu 30 Meter hohen steilwandigen Pyramiden sind bis heute nahe der antiken Stadt Meroe erhalten. Sie war in den Jahrhunderten um Christi Geburt die Hauptstadt des Königreiches von Kusch auf dem Gebiet des heutigen Nordsudan. Die Herrscher dieses einstmals riesigen Reiches wurden in den Pyramidenfriedhöfen östlich der Hauptstadt begraben. Im Jahr 2011 wurde diese bedeutende Altertümerstätte in die UNESCO Welterbe-Liste aufgenommen. Sandstürme, Regen und stark zunehmende Besucherzahlen gefährden die einzigartigen Monumente. Im Rahmen der Qatari Mission for the Pyramids of Sudan führen die sudanesische Denkmalbehörde und das DAI seit 2014 großangelegte archäologische und architektonische Dokumentationsarbeiten sowie Restaurierungen durch, um diese wichtigen Zeugnisse der frühen Nil-Kultur behutsam zu konservieren, langfristig zu erhalten und für einen nachhaltigen Tourismus zu entwickeln.


Quelle: DAI

Titelbild: Omima Hasbelrsoul beim Schließen von Fehlstellen | Foto: Dunja Rütt.

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