IGEF-CH – Fortbildung für den Kulturerhalt im Irak in Berlin

IGEF-CH – Fortbildung für den Kulturerhalt im Irak in Berlin

IGEF-CH – Fortbildung für den Kulturerhalt im Irak in Berlin

Derzeit nehmen irakische Fachleute am Fortbildungsprogramm des Iraqi-German Expert Forum on Cultural Heritage (IGEF-CH) in Berlin teil.

IGEF-CH ist Teil des ArcHerNet-Verbundprojekts „Die Stunde Null – Eine Zukunft für die Zeit nach der Krise“. Das Expertenforum unterstützt die irakische Antikenverwaltung beim Erhalt des sehr reichen Kulturerbes des Irak. Die kriegerischen Auseinandersetzungen der letzten Jahrzehnte, Wasserschäden und Versalzung gefährden die kulturellen Denkmäler der Region. Im Nordirak greifen Zerstörungen durch den IS bewusst die kulturelle Identität der Bevölkerung an. Die irakischen Fachleute der regionalen Antikenbehörden und Universitäten stehen vor großen Herausforderungen. Der Transfer von KnowHow und der Wissenschafts- und Technologieaustausch sind für die ExpertInnen vor Ort eine wichtige Voraussetzung, um in der Lage zu sein, aus eigener Kraft auf Kulturzerstörungen zu reagieren.

Iraqi-German Expertforum – Ein Programm für den Kulturerhalt im Irak

Das IGEF-CH Programm richtet sich an irakische MitarbeiterInnen der Antikenverwaltungen und akademisches Lehrpersonal. Die Teilnehmenden erhalten die Befähigung selbständig Kulturerhaltsprojekte durchzuführen und das gewonnene Wissen an Studierende weiterzugeben. Die Stärkung der Entscheidungsfähigkeit zum Einsatz traditioneller und modernster Techniken ist ein wichtiges Ziel des Fortbildungsprogramms. Die zweimonatige Fortbildung in Berlin ist der Auftakt zu dem einjährigen Vorhaben. Die irakischen Experten erforschen während des kommenden Jahres ein Bauwerk, dokumentieren Schäden und erarbeiten mögliche Lösungen für den Erhalt der Denkmäler.

 

Die Teilnehmer des Iraqi-German Expertforums stellen ihre Kulturerhalt-Projekte vor | © Götting, DAI.

 

In diesem Jahr sind zehn irakische Experten nach Berlin gereist, um sich einem Kulturerbe-Projekt ihrer Wahl zu widmen.  In den Räumen des Deutschen Archäologischen Instituts diskutieren die Teilnehmer mögliche Themen. Die Wissenschaftler stammen aus den unterschiedlichsten Regionen im Irak. Ihre erste Aufgabe besteht darin ein Denkmal zu wählen: Karawanserei, mittelalterliches Minarette, Burg oder mesopotamische Zikkurats – die Möglichkeiten sind vielfältig. Ebenso zahlreich sind die Fragen, die sich die Denkmal-Experten stellen:  Wann wird die mittelalterliche Ruine von Minen geräumt werden? Wie dokumentiert man am besten Wasserschäden in eine Karawanserei? Wie verhandelt man mit Anwohnern, die ein Kulturdenkmal als Wohnstätte oder Friedhof nutzen?

Fortbildungen – Eine Voraussetzung für den Kulturschutz

Nach einer ersten Besprechung der Themenauswahl beginnt das Fortbildungsprogramm. Neben der Schulung in der Bauaufnahme, Geoinformationsystemen (QGIS) und Structure from Motion (SfM), sind unter anderem auch ein Filmkurs und Lehmbautechniken Teil des Curriculums. Die Fortbildung in der Gebäudedokumentation mit modernsten Methoden vermittelt den Teilnehmenden die nötigen Fertigkeiten, um ihr Projekt bestmöglich umzusetzen.

IGEF-CH wird intensiv betreut von der wissenschaftlichen Direktorin der Orientabteilung des DAI, Dr. Margarete van Ess und Dr. Ulrike Siegel. Das Programm wird mit Hilfe der IngenieurInnen Fidaa Hlal, Razan Khalil und Ibrahim Salman in arabischer Sprache durchgeführt. Grundlage für das Iraqi-German Expertforum ist die jahrzehntelange vertrauensvolle Zusammenarbeit des DAI mit der irakischen Antikenverwaltung sowie didaktische Konzepte, die mit den Universitäten Bagdad und Kufa im Rahmen von Kooperationsverträgen entwickelt wurden. Das Auswärtige Amt unterstützt das Projekt im Rahmend seines Kulturerhalt-Programms.

 

Titelbild: Die Teilnehmer des IGEF-CH bilden sich im Umgang mit Geoinformationssystemen fort (QGIS) | © Götting, DAI.

 

 

Weiterlesen:

Iraqi-German Expert Forum on Cultural Heritage – Gemeinsam für den Kulturerhalt im Irak

 

IGEF-CH – Aktiver Schutz des irakischen Architekturerbes im Fokus

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