Urbanes Kulturerbe in Konfliktregionen

Urbanes Kulturerbe in Konfliktregionen

Urbanes Kulturerbe in Konfliktregionen

 

Anknüpfend an den Erfahrungen der langjährigen deutschen Unterstützung der Sanierung der Altstadt von Aleppo vor Ausbruch des Konfliktes in Syrien arbeiten deutsche Fachleute gemeinsam mit Experten und Expertinnen der syrischen Diaspora sowie mit Akteuren aus anderen Ländern der Region an Konzepten für den Schutz des urbanen kulturellen Erbes.

Die Maßnahme bietet eine Plattform für die Zusammenarbeit eines breiten Spektrums von Akteuren im schwierigen Prozess der Beseitigung der Kriegszerstörungen und des Wiederaufbaus nach dem Ende bewaffneter Konflikte.

In vielen Ländern des Nahen Ostens wurden und werden wichtige historische Städte durch bewaffnete Konflikte und Kriege zerstört. Länder wie Irak, Syrien und Jemen befinden sich seit Jahren in komplexen Konflikten. In den Kampfhandlungen sind oft die historischen Innenstädte und Stadtzentren besonders umkämpft. Eine der am stärksten betroffenen Innenstädte ist das Weltkulturerbe der Altstadt von Aleppo in Syrien, die seit Mitte der 90er Jahre bis zum Ausbruch des Konflikts mit deutscher Unterstützung saniert wurde. Im Jemen sind die ebenfalls als Weltkulturerbe erfassten Altstädte wie Sana’a und Shibam von Kriegsschäden betroffen oder durch Vernachlässigung und fehlende Instandhaltung aufgrund des andauernden Konflikts gefährdet. Aber auch andere historische Altstädte mit wertvoller Bausubstanz in der Region, wie Mosul im Irak oder Raqqa in Syrien, sind durch die kriegerischen Auseinandersetzungen der letzten Jahre weitgehend zerstört.

In Post-Konflikt-Situationen, nach Kriegsende, ist der kultursensible Wiederaufbau historischer Altstädte oft durch die Notwendigkeit einer raschen Wiederherstellung von Basisinfrastruktur, Dienstleistungen und Wohnungen in eiligen Notfällen gefährdet. In vielen Fällen wird die Zerstörung des Krieges aber auch als Anlass für eine umfassende Modernisierung der städtischen Strukturen genutzt.


Zerstörte Hochbauten in Jemen, Sana’a (© Mohammed Huwais. AFP, Getty Images)

 

Viele internationale, regionale und deutsche Akteure, sowohl Einzelpersonen als auch Institutionen, versuchen, der weiteren Zerstörung des wichtigen städtischen Kulturerbes nach dem Ende von Konflikts entgegenzuwirken. Sie arbeiten an unterschiedlichen Projekten und vorbereitenden Maßnahmen, um die Voraussetzungen für einen kultursensiblen und nachhaltigen Wiederaufbau zu schaffen. Diese sind allerdings bisher nur wenig aufeinander abgestimmt und miteinander vernetzt. Vielfach fehlen auch noch Konzepte und Instrumente für die Bewältigung der komplexen Herausforderungen für einen Erhalt des Kulturerbes im Wiederaufbau kriegszerstörter Städte.

Das vom Auswärtigen Amt (AA) unter dem Dach des Archäologischen Netzwerkes (ArcHerNet) geförderte Projekt „Urbanes Kulturerbe in Konfliktregionen“ soll die Erhaltung und Restaurierung des Kulturerbes in kriegszerstörten Städten des Nahen Ostens vorbereiten und unterstützen. Das Projekt soll dazu beitragen, Grundvoraussetzungen für die Erhaltung und Restaurierung des städtischen Kulturerbes in Post-Konflikt-Situationen im Nahen Osten zu schaffen.

Omaijaden-Moschee in Aleppo (© GIZ/ArcHerNet)

 

Zielsetzung

Ziel des Projektes ist die Entwicklung von Konzepten und Instrumenten für den Erhalt und die Restaurierung des städtischen Kulturerbes beim Wiederaufbau in Post-Konfliktsituationen. Diese Konzepte sollen am Beispiel der historischen Altstadt von Aleppo entwickelt und für die in anderen Ländern der Region in Wiederaufbauprozessen tätigen Akteure nutzbar gemacht werden.

Methodischer Ansatz

Der methodische Ansatz des Vorhabens ist der Aufbau einer Plattform für die Entwicklung und Abstimmung von Initiativen und Ansätzen zum Erhalt des urbanen Kulturerbes in Konfliktregionen. Er umfasst drei sich ergänzende Komponenten:

  1. die Einrichtung und Moderation von fünf Arbeitsgruppen zu kultursensiblen Fragen des Wiederaufbaus: Informationsgrundlagen, rechtliche Rahmenbedingungen, Archäologie, Stadtentwicklung und -planung sowie Einzelprojekte;
  2. die Entwicklung eines Toolkits mit Empfehlungen, Orientierungen und praktischen Handreichungen zu den Themen dieser Arbeitsgruppen;
  3. unterstützende Maßnahmen der Kommunikation und Koordination wie die Einrichtung einer internen interaktiven Webseite.

 

 

 

 

Bild: Blick über die Altstadt Mossuls im Januar 2018 (© Ahmad Al-Rubaye. AFP, Getty Images)

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